Villanders, 29. August 2025 – Zehn beteiligte Gemeinden, 23 umgesetzte Projekte und eingesetzte Fördermittel in Höhe von 4,3 Millionen Euro – das ist die Leaderperiode 2014-2022 im Leadergebiet Sarntaler Alpen in drei Kennzahlen ausgedrückt. Am Freitagvormittag wurde im Archeoparc in Villanders im Beisein von Geschäftsführer Josef Günther Mair, Landesrat Luis Walcher und dem Vizepräsidenten der Regionalregierung Franz Locher auf den Zeitraum zurückgeblickt und eine Ausschau auf die Zukunft gewagt.
Zehn Gemeinden in den Sarntaler Alpen haben sich an der Leaderperiode 2014-2022 beteiligt. Vöran, Mölten, Jenesien, Sarntal, Barbian, Villanders, Feldthurns, Klausen, Brixen und Vahrn – das entspricht mit einer Größe von 634 Quadratkilometern einem Zehntel der Südtiroler Landesfläche – haben sich im Jahr 2013 zusammengeschlossen. Gemeinsam haben sie in den Arbeitsgruppen über Projekte nachgedacht, die in diesen ländlichen Gebieten des Tschögglbergs, des Sarntals und des Eisacktals umgesetzt werden können. Der Großteil der Ideen wurde schließlich auch in die Tat umgesetzt, etwa die Hängebrücke Martertal, verschiedene Erlebniswege, das Fossilienmuseum oder die Aufwertung der Eisacktaler Kastanienwochen.
„Wir haben im vergangenen Jahrzehnt nicht weniger als 23 Projekte umgesetzt. Der Schwerpunkt lag auf drei Bereichen, nämlich nachhaltiger Tourismus, lokale Produktionssysteme und kulturelles Erbe. Das Gesamtvolumen an Investitionen betrug 5 Millionen Euro, davon kamen 4,3 Millionen Euro aus dem Fördertopf. Gelder, die helfen, den ländlichen Raum aufzuwerten und das Aussterben unserer Dörfer zu verhindern. Die Investitionen sollen in erster Linie der einheimischen Bevölkerung zu Gute kommen, es profitieren aber auch die Gäste in diesen touristisch vielleicht nicht ganz so starken Gebieten davon“, betonte Josef Günther Mair. Neben den vielen positiven Aspekten sprach der Geschäftsführer der GRW Sarntal, die das Budget verwaltete und die Projekte begleitete, jedoch auch die ausufernde Bürokratie an, sowie die Tatsache, dass die Fördergelder oft vorfinanziert werden müssten.
Externes Institut bestätigt erfolgreiche Abwicklung
Die sehr gute Umsetzung der verschiedenen Leader-Projekte in der Sarntaler Alpen unterstrich auch Hermann Atz. Mit seinem Sozialforschungs-Institut Apollis nahm der Experte eine Evaluierung vor, wie sie von der Europäischen Union am Ende einer Förderperiode vorgesehen sind. Am Freitag präsentierte Atz die Ergebnisse. „Die Gelder wurden zweckmäßig und sparsam eingesetzt und die Projekt-Ergebnisse entsprechen den Zielen der EU und den Bedürfnissen des Leader-Gebiets. Bei den thematischen Schwerpunkten hat es eine ungeplante Konzentration auf nachhaltigen Tourismus gegeben. Die untersuchten Fallstudien zeigen, dass die Pflege und Weiterentwicklung der geschaffenen Strukturen eine Herausforderung für die Zukunft darstellen“, hieß es unter anderem im Fazit, das Atz den Anwesenden präsentierte.
Zufrieden blickten auch Landesrat Luis Walcher und Franz Locher, ehemaliger Bürgermeister von Sarnthein und nun Vizepräsident der Regionalregierung, auf die abgelaufene Leader-Periode zurück. „Durch diese Fördermittel können wir die ländliche Region aufwerten. Man muss bedenken, dass in Südtirol 87 Prozent der Fläche von 30 Prozent der Bevölkerung bewohnt wird. In anderen Regionen in Europa sind sehr viele Ortschaften im ländlichen Raum fast unbewohnt, weil die Menschen in große Ballungszentren ziehen. Das wollen wir in Südtirol verhindern und durch sinnvolle Investitionen vor Ort und Projekten, die von Leben gefüllt sind, kann uns das gelingen“, erklärte Walcher.
Zwei neue Gemeinden im Boot
„Das Ziel von Leader ist, mit wenig Geld viel zu machen. Und das ist der Arbeitsgruppe in Zusammenarbeit mit der GRW Sarntal wirklich extrem gut gelungen. Es ist auch schön zu sehen, wie hier eine tolle Gemeinschaft entstanden ist, die über Gemeindegrenzen hinaus zusammenarbeitet und sich gegenseitig unterstützt“, unterstrich Locher. Eine Gemeinschaft, die in Hinblick auf die neue Leaderperiode 2021-2027 um zwei Mitglieder wachsen wird. „Wir haben Hafling dazugenommen, damit der Tschögglberg komplett vertreten ist. Und wir haben auch die strukturschwachen Gebiete des Rittens – Wangen und Oberinn – aufgenommen. So ist der Bogen in den Sarntaler Alpen noch größer. Das Klima an unserem Arbeitstisch ist erstaunlicherweise sehr harmonisch und es ziehen alle an einem Strang. In Zukunft werden wir möglicherweise davon absehen, zu kleine Projekte umzusetzen, denn der Aufwand ist zu groß. Wir freuen uns schon auf viele spannende Ideen“, erklärte Antonia Egger abschließend. Die Landesbäuerin ist Präsidentin der neuen Leaderperiode 2021-2027.
Was ist Leader?
LEADER steht für „Liaison entre Actions de Développement de l’Économie Rurale“ und ist ein innovatives Förderprogramm der Europäischen Union. Seit 1991 unterstützt es ländliche Regionen dabei, ihre eigenständige Entwicklung voranzutreiben. Das Besondere an LEADER: Die Regionen entwickeln selbst eine Lokale Entwicklungsstrategie und setzen diese eigenverantwortlich um. So entstehen maßgeschneiderte Lösungen, die genau zu den Bedürfnissen vor Ort passen.
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